Gefühlt war jeder, der irgendwie auf Social Media sportlich aktiv ist, beim diesjährigen HYROX Berlin am Start. Man konnte Instagram kaum öffnen, ohne dass einem irgendein Mensch mit Wall Balls, Sled Push oder Race Day – Story entgegenkam.

Auch wir wollten nun bereits zum dritten Mal unseren Trainingsfortschritt unter Beweis stellen und hatten für Freitag, den 22.05.2026, zwei Startplätze im Mixed Double.
Die Umstände waren allerdings, naja, ausbaufähig.
Am Anfang der Woche wurden wir noch von einer bunten Palette an Kita-Keimen außer Gefecht gesetzt. Magen-Darm gab es diesmal als kleine Abwechslung on top. Als würde es nicht reichen, dass unser Verdauungssystem jeden Inhalt sofort wieder loswerden wollte, machten die monatlichen Freuden einer Frau pünktlich zum Startschuss den körperlichen Ausnahmezustand komplett.
Aber: Ausreden und Entschuldigungen gibt es immer. Und deshalb gab es für uns trotzdem keine andere Option, als teilzunehmen, unser Bestes zu geben und einfach Spaß zu haben. Oder zumindest so zu tun, dass diese freiwillig gewählten Qualen sich auch noch gut anfühlen. Leicht masochistische Neigungen braucht man in diesem Sport sowieso.
Der Veranstaltungsort am Flughafen Tempelhof bzw. Tempelhofer Feld ist wirklich einmalig. Die Mischung aus Outdoor-Laufstrecke, riesiger Kulisse und diesen alten Hallen hat schon etwas Besonderes. Gleichzeitig bedeutet Outdoor natürlich auch: Man ist den Wettereinflüssen ausgeliefert und anscheinend etabliert sich HYROX Berlin langsam als die Veranstaltung unter besonderen Bedingungen. Letztes Jahr Hagel und dieses Jahr Temperaturen um die 30 Grad im Mai.
Erstmal zuschauen: Die beste Vorbereitung am Race Day
Mehrere Freunde von uns starteten ebenfalls in unterschiedlichen Kategorien, und so begann der Tag erst einmal aufregend als Zuschauer. Das war im Nachhinein aus mehreren Gründen wirklich sinnvoll: Erstens konnten wir unsere Freunde supporten und zweitens konnten wir uns die Strecke, die Eingänge, die Stationen und mögliche Stolperfallen ganz genau anschauen. Und gerade bei HYROX Berlin war das Gold wert.
Die Laufstrecke bestand aus einer Runde, die Stationen waren nacheinander angeordnet. Klingt erstmal logisch und entspannt, aber beim Aufbau der Stationen gab es ein paar kleine Stolpersteine. Und zwar wortwörtlich: Bei einigen Stationen waren Abflussschächte im Boden, die einen schnell mal das Sprunggelenk lahmlegen konnten.
Einige Stationen waren in verschiedenen Hallenabschnitten mit unterschiedlichen Eingängen aufgebaut. Für Station 1 bis 3 musste man in einen anderen Abschnitt mit anderem Eingang als für Station 4 bis 5. Beim ersten Abschnitt lagen Eingang und Ausgang an unterschiedlichen Enden, während der zweite Abschnitt über denselben Ein- und Ausgang zugänglich war. Heißt: Man musste beim Laufen wirklich aufpassen, dass man den richtigen Eingang findet, zur richtigen Station läuft, den richtigen Ausgang wieder nimmt und dabei nicht völlig im eigenen Laktatnebel verloren geht. Die restlichen Stationen waren dann jeweils einzeln zugänglich und gut zu überblicken.

Ein Tipp deshalb: Schaut euch vorher mindestens einen kompletten Durchlauf als Zuschauer an. Das spart später im Race so viele unnötige Fehler und Fragezeichen im Kopf.
Was kann ich sonst noch empfehlen? Eigentlich gar nicht so viel, aber: Nehmt das Ganze ernst genug, um vorbereitet zu sein, aber vergesst bloß nicht den Spaß dabei!
Bitte nicht überpacen
Man muss sich bewusst machen, dass viele der Profis mit ihren Sub-60-Zeiten ganz andere Voraussetzungen haben. Andere Trainingsstrukturen, andere Regeneration, andere Förderung, andere Routinen. Das ist beeindruckend, aber es sollte nicht der Maßstab für das eigene erste, zweite oder dritte Race sein.
Besonders am Anfang treiben Adrenalin, Aufregung und die Menge den Puls zusätzlich nach oben. Man fühlt sich kurz wie eine Maschine. Leider oft nur für ungefähr sieben Minuten. Auch wir haben bei den ersten Stationen und den ersten Laufrunden den Fehler gemacht, uns von der Stimmung mitreißen zu lassen. Plötzlich saßen wir beim Rudern und ich hab komplett den Sinn dieser ganzen Veranstaltung hinterfragt.
Also: Lieber kontrolliert starten, erstmal reinkommen und den eigenen Rhythmus finden. HYROX ist laut. Die Musik und die Leute pushen ein extrem, aber die Kunst ist es, sich die Kraft aufzuteilen und nicht nach Station 3 zu kollabieren.
HYROX ist auch mental eine Berg- und Talfahrt
Eine wichtige Erkenntnis aus diesem Race: HYROX ist nicht nur körperlich hart, sondern auch mental eine ziemliche Achterbahnfahrt. Zwischendurch dachte ich mehrfach: „Okay, ABBRUCH.“ Drei Minuten später mit dem Sandsack auf den Schultern war plötzlich wieder Energie da und alles fühlte sich machbar an. Das ist vermutlich eine der wichtigsten HYROX-Lektionen überhaupt: Tiefs kommen, aber sie gehen auch wieder. Man darf in diesen Momenten nicht zu viel denken. Einfach weiter. Eine Station. Eine Runde. Ein Schritt nach dem anderen und immer das Ziel im Auge behalten und irgendwann, nach 100 Wallballs, ist man tatsächlich im Ziel.
Meine wichtigsten HYROX-Tipps kurz & knapp

Vor dem Rennen
- Regelwerk zumindest einmal überfliegen
- Elektrolyte am Tag davor
- Am Tag vor dem Rennen und am Renntag ausreichend trinken
- Leicht verdaulich essen
- Rote-Bete-Saft als kleiner Extra-Boost
- Letzte größere Mahlzeit spätestens 2h vor Start
- Beim Warm-up eventuell noch ein Gel
- Vorher unbedingt rechtzeitig aufs Klo gehen
- Einen Durchlauf als Zuschauer beobachten
- 30 Minuten vorher Warm-up (Unterkörper UND Oberkörper!)
Outfit – Tipps
- Auffällige Kleidungsfarben wählen, damit man auf Fotos und für Zuschauer besser erkennbar ist.
- Nicht zu helle Kleidung tragen, weil Matten bei Burpees eventuell färben oder fusseln können.
- Schuhe wählen, mit denen man gut laufen, gleichzeitig stabil an den Stationen arbeiten kann und bei evtl. Nässe nicht wegrutscht (Stichwort: Sled Push)
- Und: Lächeln nicht vergessen. Die Fotos werden es danken.
Das erste HYROX Race: Startet im Double
Nicht, weil es „leicht“ ist, aber man kann sich die Stationen aufteilen, sich gegenseitig pushen und mentale Tiefs besser auffangen. Wichtig ist aber: Sprecht vorher ab, wie ihr wechselt. Wir haben den Fehler gemacht, erst beim Rudern zu diskutieren, wer jetzt eigentlich wie viel macht und dabei gefühlt fast eine Beziehungskrise verursacht

Also – vorher klären
- Wer hat welche Stärken?
- Wer fängt an welcher Station an?
- Wann wird gewechselt?
- Was passiert, wenn eine Person komplett eingeht?
Real Talk: HYROX mit Periode
Persönliche Erfahrung, aber vielleicht für andere Frauen hilfreich: Ich werde im Fall der Fälle beim HYROX kein Tampon mehr tragen, sondern lieber auf Binden oder Periodenslip ausweichen. Zwischendurch hatte ich durch den Druck bei verschiedenen Übungen, vor allem beim Sled Push, wirklich das Gefühl, dass sich Beckenboden und Tampon gleich verabschieden. Und genau über solche Dinge wird meiner Meinung nach immer noch zu wenig gesprochen. Zyklus, Verdauung, Blähbauch, Krämpfe, Druckgefühl: all das kann an so einem Tag eine riesige Rolle spielen und auch die eigene Leistung massiv beeinflussen.
Nach dem Rennen: Der Muskelkater ist Next Level
Der Muskelkater danach ist nicht „ein bisschen schwere Beine“, sondern definitiv ein Argument für den Einbau eines Treppenliftes. Aber mit gezielter Unterstützung des Körpers definitiv händelbar.
Nach dem Lauf
- locker auslaufen, leicht dehnen, Faszienrolle nutzen
- viel trinken & Elektrolyte auffüllen
- Kohlenhydrate essen & Proteine zuführen
- schlafen
- Kreatin, Omega-3, Sauerkirschsaft (!!!) als Unterstützung

Mein Fazit zu HYROX Berlin 2026
Die Location am Tempelhofer Feld ist wirklich beeindruckend. Die Stimmung war stark, die Community riesig und Social Media gefühlt komplett im HYROX-Fieber. Gleichzeitig sollte man Berlin nicht unterschätzen: Outdoor-Bedingungen, Hitze, lange Wege, Hallenabschnitte und viele Menschen machen das Race anspruchsvoll. Für mich bleibt vor allem hängen: Man muss nicht perfekt vorbereitet sein, um stolz auf sich sein zu dürfen und auch keine neue Bestzeit laufen. Wir hatten eigentlich auch eine andere Zielzeit im Kopf und haben festgestellt, dass es oft nicht darum geht, wie schnell man war, sondern dass man überhaupt da war und durchgezogen hat. Vor allem durch den Start als Double, das Mitfiebern bei den anderen und den Support war der Tag trotz allem ein tolles gemeinsames Erlebnis!
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