Pilates: ästhetischer Trend oder unterschätztes Ganzkörpertraining?

Auch ich bin während meiner ersten Schwangerschaft auf den Zug aufgesprungen und habe diesen seitdem nicht mehr verlassen. Vor allem die kontrollieren Pilatesbewegungen, die Aktivierung des Beckenbodens sowie des „Powerhouse“ haben mich während Schwangerschaft, Rückbildung und auch aktuell kraftvoll, fit und ausgeglichen werden lassen.

Trotzdem ist Pilates weder ein Wundermittel noch automatisch das perfekte Training für jede Frau und jedes Ziel. Vor allem ersetzt es nicht grundsätzlich Krafttraining, Ausdauertraining oder eine individuell notwendige Physiotherapie.

Typisch für Pilates sind:

  • langsame und kontrollierte Bewegungen
  • bewusste Verbindung von Atmung & Bewegung
  • Stabilisierung von Bauch, Rücken, Becken
  • Fokus auf Technik und Körperwahrnehmung
  • fließende Bewegungsabläufe statt maximaler Geschwindigkeit


1. Pilates verbessert die Körperwahrnehmung

Eine bessere Körperwahrnehmung kann sich auch positiv auf andere Sportarten auswirken und genau das habe ich wirklich DEUTLICH gemerkt. Wer seinen Rumpf gezielter stabilisieren kann, profitiert davon möglicherweise beim Krafttraining, Laufen, HYROX oder einfach beim Tragen eines Kindes, während man mit der anderen Hand versucht, gleichzeitig Einkaufstaschen und Kita-Rucksack zu balancieren.


2. Die Körpermitte wird gezielt trainiert


3. Beweglichkeit, Balance und Koordination werden gefordert

Gerade im höheren Alter kann dieser Aspekt wertvoll sein. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Pilates die statische und dynamische Balance älterer Menschen verbessern kann. 


4. Es verbindet Bewegung und mentale Ruhe

Für folgende Ziele bleibt klassisches Krafttraining besonders wichtig:

  • deutlicher Muskelaufbau & maximale Kraftentwicklung
  • Erhalt der Muskelmasse im Alter
  • hohe Belastbarkeit für Sport und Alltag

Die Frage sollte deshalb nicht lauten: Pilates oder Krafttraining? Gerade die Kombi aus Krafttraining + Pilates hat in meinen Augen enorme Vorteile und beide Sportarten ergänzen sich super!

Allerdings sollte Schwangerschafts-Pilates wirklich an die jeweilige Schwangerschaftsphase angepasst werden. Nicht jede klassische Bauchübung, Bauchlage, Rotation oder intensive Druckerhöhung ist zu jedem Zeitpunkt sinnvoll. Besondere Vorsicht ist unter anderem bei Blutungen, vorzeitiger Wehentätigkeit, bestimmten Plazentaveränderungen, Schwindel, Schmerzen oder ärztlich festgestellten Kontraindikationen notwendig!

Gezielte Pilates-Kurse mit spezialisierten Trainern oder Programmen können nach der Geburt helfen, das Gefühl für den eigenen Körper zurück zu bekommen. Außerdem ist die Zeit allein auf der Matte und ein kurzes Durchatmen vor allem in der Anfangszeit mit Baby absolut wertvoll. 

Der Reformer ist also nicht grundsätzlich „besser“. Er ist ein Trainingsgerät mit interessanten Möglichkeiten, was man bei Lust und Laune mal ausprobieren kann!

Eine ausgewogene Woche muss nicht maximal vollgepackt sein. Sie sollte zu Alltag, Regeneration und persönlichem Ziel passen.

Pilates ist weder nur ein hübscher Social-Media-Trend noch die Antwort auf jedes körperliche Problem. Es kann die Körperwahrnehmung, Rumpfstabilität, Balance, Beweglichkeit und muskuläre Ausdauer verbessern. Gerade während der Schwangerschaft, nach der Geburt, in stressigen Lebensphasen oder als Ergänzung zu Kraft- und Ausdauertraining kann es sehr wertvoll sein.  Seine Grenzen liegen vor allem dort, wo hohe Kraftreize, deutlicher Muskelaufbau, maximale Knochengesundheit oder ausgeprägte Herz-Kreislauf-Anpassungen das primäre Ziel sind.

Und am Ende ist vermutlich nicht entscheidend, ob eine Trainingsform gerade besonders angesagt ist. Entscheidend ist, ob sie uns langfristig dabei hilft, uns stark, beweglich und wohl im eigenen Körper zu fühlen.

Quellen

  • American College of Sports Medicine. The Future of Fitness: ACSM Announces Top Trends for 2026.
  • American College of Sports Medicine. ACSM Fitness Trends: Balance, Flow, and Core Strength.
  • American College of Sports Medicine. Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults. 2026.
  • Campos Júnior, J. F. et al. Effects of Pilates exercises on postural balance and reduced risk of falls in older adults: A systematic review and meta-analysis. Complementary Therapies in Clinical Practice, 2024.
  • Patti, A. et al. Effectiveness of Pilates exercise on low back pain: a systematic review with meta-analysis. 2024.
  • Sampaio, T. et al. The Effectiveness of Pilates Training Interventions on Older Adults’ Balance: A Systematic Review and Meta-analysis. 2023.
  • Skoura, A. et al. Diastasis Recti Abdominis Rehabilitation in the Postpartum Period: A Scoping Review of Current Clinical Practice. 2024.
  • Tsartsapakis, I. et al. Effects of Pilates-Based Exercise on Mental Health, Psychological Well-Being, and Quality of Life: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports, 2026.
  • Wong, C. M. et al. The effects of Pilates exercise in comparison to other forms of exercise on pain and disability in individuals with chronic nonspecific low back pain. Musculoskeletal Care, 2023.
  • World Health Organization. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour. Geneva, 2020.

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