HYROX Berlin 2026 – Zwischen Kita-Keimen, 30 Grad und mentaler Achterbahn

Aber: Ausreden und Entschuldigungen gibt es immer. Und deshalb gab es für uns trotzdem keine andere Option, als teilzunehmen, unser Bestes zu geben und einfach Spaß zu haben. Oder zumindest so zu tun, dass diese freiwillig gewählten Qualen sich auch noch gut anfühlen. Leicht masochistische Neigungen braucht man in diesem Sport sowieso. 

Der Veranstaltungsort am Flughafen Tempelhof bzw. Tempelhofer Feld ist wirklich einmalig. Die Mischung aus Outdoor-Laufstrecke, riesiger Kulisse und diesen alten Hallen hat schon etwas Besonderes. Gleichzeitig bedeutet Outdoor natürlich auch: Man ist den Wettereinflüssen ausgeliefert und anscheinend etabliert sich HYROX Berlin langsam als die Veranstaltung unter besonderen Bedingungen. Letztes Jahr Hagel und dieses Jahr Temperaturen um die 30 Grad im Mai.


Mehrere Freunde von uns starteten ebenfalls in unterschiedlichen Kategorien, und so begann der Tag erst einmal aufregend als Zuschauer. Das war im Nachhinein aus mehreren Gründen wirklich sinnvoll: Erstens konnten wir unsere Freunde supporten und zweitens konnten wir uns die Strecke, die Eingänge, die Stationen und mögliche Stolperfallen ganz genau anschauen. Und gerade bei HYROX Berlin war das Gold wert.

Die Laufstrecke bestand aus einer Runde, die Stationen waren nacheinander angeordnet. Klingt erstmal logisch und entspannt, aber beim Aufbau der Stationen gab es ein paar kleine Stolpersteine. Und zwar wortwörtlich: Bei einigen Stationen waren Abflussschächte im Boden, die einen schnell mal das Sprunggelenk lahmlegen konnten.

Was kann ich sonst noch empfehlen? Eigentlich gar nicht so viel, aber: Nehmt das Ganze ernst genug, um vorbereitet zu sein, aber vergesst bloß nicht den Spaß dabei!


Man muss sich bewusst machen, dass viele der Profis mit ihren Sub-60-Zeiten ganz andere Voraussetzungen haben. Andere Trainingsstrukturen, andere Regeneration, andere Förderung, andere Routinen. Das ist beeindruckend, aber es sollte nicht der Maßstab für das eigene erste, zweite oder dritte Race sein.

Besonders am Anfang treiben Adrenalin, Aufregung und die Menge den Puls zusätzlich nach oben. Man fühlt sich kurz wie eine Maschine. Leider oft nur für ungefähr sieben Minuten. Auch wir haben bei den ersten Stationen und den ersten Laufrunden den Fehler gemacht, uns von der Stimmung mitreißen zu lassen. Plötzlich saßen wir beim Rudern und ich hab komplett den Sinn dieser ganzen Veranstaltung hinterfragt.


Eine wichtige Erkenntnis aus diesem Race: HYROX ist nicht nur körperlich hart, sondern auch mental eine ziemliche Achterbahnfahrt. Zwischendurch dachte ich mehrfach: „Okay, ABBRUCH.“ Drei Minuten später mit dem Sandsack auf den Schultern war plötzlich wieder Energie da und alles fühlte sich machbar an. Das ist vermutlich eine der wichtigsten HYROX-Lektionen überhaupt: Tiefs kommen, aber sie gehen auch wieder. Man darf in diesen Momenten nicht zu viel denken. Einfach weiter. Eine Station. Eine Runde. Ein Schritt nach dem anderen und immer das Ziel im Auge behalten und irgendwann, nach 100 Wallballs, ist man tatsächlich im Ziel.


Outfit – Tipps

  • Auffällige Kleidungsfarben wählen, damit man auf Fotos und für Zuschauer besser erkennbar ist.
  • Nicht zu helle Kleidung tragen, weil Matten bei Burpees eventuell färben oder fusseln können.
  • Schuhe wählen, mit denen man gut laufen, gleichzeitig stabil an den Stationen arbeiten kann und bei evtl. Nässe nicht wegrutscht (Stichwort: Sled Push)
  • Und: Lächeln nicht vergessen. Die Fotos werden es danken.

Nicht, weil es „leicht“ ist, aber man kann sich die Stationen aufteilen, sich gegenseitig pushen und mentale Tiefs besser auffangen. Wichtig ist aber: Sprecht vorher ab, wie ihr wechselt. Wir haben den Fehler gemacht, erst beim Rudern zu diskutieren, wer jetzt eigentlich wie viel macht und dabei gefühlt fast eine Beziehungskrise verursacht


Persönliche Erfahrung, aber vielleicht für andere Frauen hilfreich: Ich werde im Fall der Fälle beim HYROX kein Tampon mehr tragen, sondern lieber auf Binden oder Periodenslip ausweichen. Zwischendurch hatte ich durch den Druck bei verschiedenen Übungen, vor allem beim Sled Push, wirklich das Gefühl, dass sich Beckenboden und Tampon gleich verabschieden. Und genau über solche Dinge wird meiner Meinung nach immer noch zu wenig gesprochen. Zyklus, Verdauung, Blähbauch, Krämpfe, Druckgefühl: all das kann an so einem Tag eine riesige Rolle spielen und auch die eigene Leistung massiv beeinflussen. 


Der Muskelkater danach ist nicht „ein bisschen schwere Beine“, sondern definitiv ein Argument für den Einbau eines Treppenliftes. Aber mit gezielter Unterstützung des Körpers definitiv händelbar.



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