Als Frau im Gym – für viele eine Mutprobe

Also: Krafttraining für Frauen ist nicht nur Booty-Builder, sondern ein verdammt gutes Investment in die Gesundheit. Und trotzdem fühlt es sich in vielen Fitnessstudios oft so an, als wäre der Freihantelbereich exklusiv den Männern vorbehalten. Dieser lokale Testosteronüberschuss in Kombination mit schweißüberströmten und teilweise stöhnenden Männern, wirkt auf viele Frauen erstmal befremdlich und verunsichernd.

Dafür gibt es mittlerweile sogar einen Begriff: „Gymtimidation„, also die Einschüchterung oder Angst beim Training im Fitnessstudio ist für viele Frauen Realität. 

Das entsteht nicht nur aus mangelndem Selbstbewusstsein, sondern auch aus realen Raumstrukturen: Wer besetzt welche Bereiche? Wer fühlt sich selbstverständlich berechtigt, Geräte zu nutzen? Wer wird beobachtet? Wer bekommt ungefragte Korrekturen? Wer wird ernst genommen? Wer muss beweisen, dass sie „wirklich trainiert“?



Viele Frauen warten auf den Moment, in dem sie sich bereit fühlen. Bereit für den Freihantelbereich. Bereit für engere Kleidung. Bereit für schwere Gewichte. Bereit, gesehen zu werden. Aber bereit fühlt man sich oft erst, nachdem man angefangen hat. Viele viele Male Unsicherheiten überwunden hat, bis diese zur Routine geworden sind. Du musst nicht schlank, stark, technisch perfekt, zyklusoptimiert, hormonell ausgeglichen und mental unangreifbar sein, um Krafttraining zu machen. Du darfst dort anfangen, wo du bist. Mit Unsicherheit. Mit PMS. Mit Babybauch, Kaiserschnittnarbe, Wassereinlagerungen, Pickeln, müden Augen, schlechter Laune oder dem Gefühl, heute nur zu 63 % Mensch zu sein.


Frauen erleben Unsicherheit, Bewertung, Kommentare und Barrieren in männlich dominierten Trainingsräumen. Das ist real – und trotzdem kein Grund, den Freihantelbereich kampflos Kevin und seinen drei halben Wiederholungen im Bankdrücken zu überlassen. Gerade für uns Frauen bringt Krafttraining enorme Vorteile für Gesundheit und trainiert nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Und ganz ehrlich: kaum etwas pusht das Selbstbewusstsein so sehr,  wie der Moment, in dem du merkst, dass du nicht nur die Hantel, sondern auch Alltag und Berufsleben besser stemmen kannst. 


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