Wenn ich nur ein Supplement empfehlen dürfte, dann wäre das ziemlich sicher Kreatin. Auch wenn Kreatin in manchen Köpfen vielleicht immer noch ein ähnliches Klischee wie Testosteron im Bodybuilding auslöst, gibt es kaum ein Supplement, das besser untersucht ist und für dessen positive Wirkung die Datenlage so eindeutig ist. Auch (oder gerade!) für uns Frauen bietet Kreatin enorme Vorteile. Und auch die Angst, man würde durch 5 g Kreatin täglich plötzlich zum Hulk mutieren, ist völlig unbegründet.
Disclaimer: Vor jeglicher Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt sich die ärztliche Rücksprache, insbesondere bei Vorerkrankungen.
Zunächst zu meiner persönlichen Erfahrung: Auch ich habe relativ lange vor der Einnahme von Kreatin gezögert, weil man immer wieder von Wassereinlagerungen hört und ich mir ehrlich gesagt dringend ersparen wollte, plötzlich wie ein Schwamm auseinanderzugehen. Doch nach meiner ersten Schwangerschaft, also vor etwa vier Jahren, entschied ich mich, Kreatin eine Chance zu geben.
Und was soll ich sagen? Seitdem supplementiere ich täglich 5 g und würde es nicht mehr anders machen. Nicht nur die körperlichen Effekte auf Performance und Körperzusammensetzung sind bemerkenswert. In Zeiten von akutem Schlafmangel und während meiner Staatsexamensprüfungen – trotz teilweise nur drei Stunden Schlaf mit einem weinenden Baby – habe ich vor allem die gefühlte kognitive Leistungsfähigkeit extrem geschätzt.
Klar, anfangs hatte auch ich das Gefühl, plötzlich „schwerer“ zu sein. Doch nach einer gewissen Anpassungszeit verschwand dieses Gefühl wieder. Persönlich empfinde ich heute vor allem, dass mein Körper insgesamt straffer und sportlicher aussieht und ich leistungsfähiger bin. Ob das nun am Training, am Kreatin oder an einer Kombination aus beidem liegt, sei mal dahingestellt.
Doch was genau ist Kreatin eigentlich? Welche Vorteile kann eine Supplementierung mit sich bringen, und welche Risiken könnten möglicherweise bestehen?
Was genau ist Kreatin eigentlich?
Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die hauptsächlich in Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse aus den Aminosäuren Glycin, Arginin und Methionin gebildet wird. Rund 95 % des Kreatins werden anschließend in der Muskulatur gespeichert. Ein kleiner Teil befindet sich jedoch auch im Gehirn, im Herzen und in anderen Geweben.

Die wichtigste Aufgabe von Kreatin besteht darin, unserem Körper schnell verfügbare Energie bereitzustellen. Vereinfacht gesagt hilft Kreatin dabei, ATP (Adenosintriphosphat) zu regenerieren. Immer dann, wenn wir kurzfristig viel Energie benötigen, beispielsweise beim Krafttraining, beim Sprint oder bei intensiver geistiger Arbeit, spielt Kreatin eine entscheidende Rolle.
Unser Körper produziert zwar selbst Kreatin, und wir nehmen zusätzlich geringe Mengen über Fleisch und Fisch auf. Die Speicher sind jedoch nicht immer vollständig gefüllt. Genau hier setzt eine Supplementierung an.
Warum profitieren Frauen besonders von Kreatin?
Lange Zeit wurde Kreatin hauptsächlich an jungen Männern untersucht. Erst in den letzten Jahren richtet sich der Blick der Forschung zunehmend auch auf Frauen – und die Ergebnisse sind äußerst spannend.
Tatsächlich verfügen Frauen im Durchschnitt über niedrigere Kreatinspeicher als Männer. Gleichzeitig beeinflussen hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft, im Wochenbett und später in den Wechseljahren den Kreatinstoffwechsel. Einige Forschende diskutieren sogar, ob Frauen deshalb in bestimmten Lebensphasen besonders stark von einer Supplementierung profitieren könnten.
Die Vorteile von Kreatin
1. Mehr Kraft und bessere Trainingsfortschritte
Das ist vermutlich der bekannteste Effekt. Zahlreiche Studien zeigen, dass Kreatin die Leistungsfähigkeit bei hochintensiven Belastungen steigern kann. Wer regelmäßig Krafttraining macht, kann häufig etwas mehr Wiederholungen schaffen, höhere Gewichte bewegen und langfristig mehr Muskelmasse aufbauen.
An dieser Stelle ist mir besonders wichtig zu betonen: Mehr Muskelmasse bedeutet nicht automatisch, dass man aussieht wie ein Bodybuilder.
Im Gegenteil. Gerade Frauen profitieren oft von einem etwas festeren, athletischeren Erscheinungsbild. Wer bereits Krafttraining macht, holt mit Kreatin häufig noch mehr aus seinem Training heraus.
2. Unterstützung für das Gehirn
Dieser Punkt wird meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt, ist aber äußerst interessant.
Unser Gehirn benötigt enorme Mengen an Energie. Da Kreatin nicht nur in den Muskeln, sondern auch im Gehirn gespeichert wird, überrascht es wenig, dass die Forschung zunehmend positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Besonders spannend: Einige Studien zeigen Vorteile für Konzentration, Gedächtnisleistung und mentale Belastbarkeit, vor allem in Phasen von Schlafmangel, Stress oder hoher geistiger Beanspruchung.

Und wenn wir ehrlich sind: Welche Mutter kleiner Kinder kennt solche Phasen nicht? Und ob Kreatin allein dafür verantwortlich war, dass ich während meiner Examensvorbereitung mit Baby funktioniert habe, kann ich natürlich nicht beweisen. Subjektiv hatte ich jedoch definitiv das Gefühl, geistig belastbarer zu sein.
3. Interessant für Schwangerschaft und Postpartum
Jetzt wird es besonders spannend. Aktuell laufen zahlreiche Forschungsprojekte, die untersuchen, welche Rolle Kreatin während Schwangerschaft und Geburt spielen könnte. Kreatin ist für die Energieversorgung von Mutter und Kind relevant und könnte theoretisch helfen, Phasen mit erhöhtem Energiebedarf besser zu bewältigen.
Wichtig ist jedoch: Die Datenlage reicht derzeit noch nicht aus, um eine generelle Empfehlung während Schwangerschaft und Stillzeit auszusprechen. Deshalb sollte eine Supplementierung in dieser Zeit immer ärztlich besprochen werden.
Kreatin für Frauen ab 30: Warum das Thema immer relevanter wird
Während wir in unseren Zwanzigern oft das Gefühl haben, unser Körper verzeiht uns nahezu alles, verändert sich ab etwa dem 30. Lebensjahr langsam, aber sicher einiges. Die Muskelmasse beginnt schleichend abzunehmen, die Regeneration dauert etwas länger, und viele Frauen jonglieren gleichzeitig zwischen Karriere, Familie und den ersten hormonellen Veränderungen.
Genau deshalb halte ich Kreatin in dieser Lebensphase nicht nur für ambitionierte Sportlerinnen für interessant.
Je älter wir werden, desto wichtiger wird es, unsere Muskelmasse zu erhalten. Denn Muskeln sind nicht nur für ein straffes Erscheinungsbild verantwortlich, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für Stoffwechsel, Knochengesundheit, Blutzuckerregulation und langfristige Gesundheit.
Deshalb profitieren Frauen ab 30 häufig besonders von dem Zusammenspiel aus regelmäßigem Krafttraining, ausreichender Proteinzufuhr und einer täglichen Kreatin-Supplementierung.
Dieser Punkt wird in den Wechseljahren noch relevanter. Mit sinkendem Östrogenspiegel verlieren viele Frauen zunehmend Muskelmasse, Kraft und Knochensubstanz. Genau hier könnte Kreatin in Kombination mit Krafttraining dabei helfen, Muskelkraft und fettfreie Körpermasse besser zu erhalten.
Nehme ich durch Kreatin zu?
Die wahrscheinlich häufigste Frage. Die Antwort lautet: Jein. Kreatin führt nicht zu einer Zunahme von Körperfett. Was jedoch passieren kann: Zu Beginn der Supplementierung wird mehr Wasser in den Muskelzellen gespeichert. Dadurch kann das Körpergewicht kurzfristig um ein bis zwei Kilogramm ansteigen. Physiologisch ist dieser Effekt jedoch sogar erwünscht. Denn dieses Wasser befindet sich nicht unter der Haut, sondern in der Muskulatur. Viele Menschen berichten deshalb langfristig eher von einem volleren, strafferen Erscheinungsbild als von einem „aufgeschwemmten“ Gefühl und genau so habe ich es persönlich auch erlebt.
Gibt es Risiken?
Kreatin gehört zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt.
Bei gesunden Menschen gilt eine tägliche Einnahme von 3–5 Gramm Kreatin-Monohydrat als sehr sicher. Schädigungen von Nieren oder Leber konnten bei gesunden Personen in den üblichen Dosierungen nicht nachgewiesen werden.
Mögliche Nebenwirkungen sind meist harmlos und umfassen:
- vorübergehende Wassereinlagerungen
- gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden
- selten Völlegefühl bei sehr hohen Dosierungen
Wer bereits an einer Nierenerkrankung leidet oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme selbstverständlich ärztlich abklären.
Mein Fazit
Kreatin ist für mich eines der wenigen Supplements, bei denen Nutzen, Sicherheit, Preis und wissenschaftliche Datenlage so überzeugend zusammenkommen. Es unterstützt nicht nur Kraft, Leistungsfähigkeit und Trainingserfolge, sondern könnte gerade für Frauen in verschiedenen Lebensphasen, von zyklusbedingten Schwankungen über die Postpartum-Zeit bis hin zu den Wechseljahren, deutlich relevanter sein, als lange angenommen wurde. Natürlich ersetzt Kreatin weder Schlaf noch eine ausgewogene Ernährung oder regelmäßige Bewegung. Wäre es so einfach, würden wir vermutlich alle längst wie Wonder Woman durch die Gegend laufen. Aber wenn mich heute jemand fragt, welches Supplement ich persönlich als Erstes empfehlen würde, bleibt meine Antwort dieselbe wie am Anfang dieses Artikels: Kreatin. Ich persönlich verwende dieses Kreatin (unbezahlte Werbung – offen für Kooperationsanfragen 😉 )
Literatur
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