Letztes Wochenende war es so weit: Der Zermatter Gornergrat Marathon stand an. Ursprünglich hatte ich geplant, die Ultra-Distanz mit 45 km und über 2000 hm zu laufen, entschied mich aber kurzfristig und – ausnahmsweise mal komplett richtig – um und meldete mich eine Woche vorher für den Top20-Lauf mit insgesamt 22 km und 1838 hm an. Insgesamt war meine Vorbereitung eher so semi-optimal. Nicht nur, dass im Training komplett die Höhenmeter fehlten, auch sonst war ich nicht wirklich in Höchstform. Aber warum diese relativ spontane Umentscheidung noch für Aufregung sorgen sollte… dazu später mehr!
Die Anreise: eine Herausforderung für sich
Ein guter Freund startete in der Marathon-Distanz und so fuhren wir zu viert (inklusive Partner) am Donnerstagnachmittag los in Richtung Schweiz. Enddestination: das 1000 km entfernte Zermatt. Hmmm ja, vielleicht standen Aufwand und Nutzen nicht ganz in Relation und wir brauchten für die erste Etappe (ca. 600 km) dank Stau und kreativen Umleitungsideen schon knapp 10 Stunden. Nach 3 Stunden Schlaf startete der nächste Morgen mit einem entspannten 4-km-Lauf, bevor es die letzten Kilometer in Richtung Zermatt zu bewältigen galt.
Wir haben erstmal die Startunterlagen abgeholt und bereits hier zeichnete sich ab, dass meine Ummeldung vielleicht doch noch das ein oder andere Problem nach sich ziehen könnte… Ich lief zwar den Top20, hatte aber immer noch die wunderschön markante rote Startnummer des Ultras mit dem Mini-Hinweis „Top 20“ handschriftlich dazu geschrieben.
Willkommen im wahrscheinlich teuersten Bergdorf Europas

Naja, insgesamt dauerte die Anreise inklusive Stau, Autozug und Bahnfahrt ins autofreie Zermatt fast 24 Stunden, aber der Blick auf das Matterhorn und die Atmosphäre des superidyllischen Bergdorfes machten das sofort wieder gut. Auch das Hotel war wirklich total niedlich, liebevoll eingerichtet und hat mich spätestens vollends überzeugt, als ich festgestellt habe, dass es einfach 24/7 Nüsse for free gab?! (Ich meine hallooo?! – mehr Paradies geht ja wohl kaum).
Den Nachmittag und Abend haben wir dann noch ein bisschen in Zermatt gebummelt und dabei schmerzlich festgestellt, dass das Preisniveau nochmal ein GANZ anderes Level ist. Generell stellt man in der Schweiz schnell fest, dass 30 € für quasi alles erstmal der Grundbetrag ist – egal ob es sich dabei um Blasenpflaster, Vorspeise oder ein Bahnticket für eine Station handelt.

Wir haben dann eine Pizzeria mit Dachterrasse und Blick aufs Matterhorn gefunden, in der eine Pizza (wer hätte es gedacht) 30 € gekostet hat, aber im Verhältnis war das wahrscheinlich der beste Preis-Leistungs-Deal, den man in Zermatt machen kann. Und fürs Carb-Loading vor dem Lauf gibt es auch schlechtere Optionen, wobei mein Magen den letzten Kontakt mit Pizza vor ca. 2,5 Jahren hatte und offenbar nicht mehr wirklich offen für Veränderungen ist…
Der Startschuss und ein kleines Motivationsloch

Es ging dann relativ früh für uns alle ins Bett. Das Frühstück war relativ unspektakulär – Haferflocken mit Honig und Wasser mit Elektrolyten. Beim Startschuss um 9:30 Uhr in Zermatt für den Top 20 – bezieht sich übrigens auf die Distanz von 22 km und darauf, dass man bis hoch aufs Gornergrat läuft, und nicht auf irgendwelche Rankings – war ich dann doch ziemlich nervös.
Kurzer Recap des Laufes: Die ersten 8 km gingen durchgehend bergauf und nach original 1,5 km war meine Motivation irgendwie ziemlich im Keller, da ich mehr gehen musste als laufen konnte und gar nicht richtig reinkam… Aber dadurch, dass ca. 70 % der Personen gingen, habe ich mir selbst irgendwann komplett den Druck genommen und akzeptiert, dass manche Dinge einfach anders laufen als geplant, aber trotzdem nicht weniger gut sein müssen…
Bei Kilometer 8 war dann der erste Zuschauerspot und weil ich den unangefochten besten Verlobten (ahhh es klingt immer noch mega komisch das zu schreiben) habe, entschied dieser sich kurzerhand dafür, mich den restlichen Lauf zu begleiten. Und so trabte er die restlichen 14 km in langer Wanderhose und ON-Sneakern neben mir her und ich kann gar nicht ausdrücken, wie viel mir das bedeutet hat. Mehr Support geht glaube ich nicht!

Was ich noch üben muss…
Insgesamt war die Landschaft wirklich total schön: Vorbei an Seen, durch Wälder und immer mit Blick aufs Matterhorn oder schneebedeckte Gletscher machten das Ganze zu einem einmaligen Erlebnis. Zwischendurch kamen immer wieder heftige Anstiege, bei denen ich deutlich gemerkt habe, dass die Beine diese Belastung mal so gar nicht gewöhnt waren. Das war auch ein bisschen der Punkt, der mich etwas geärgert hat – von der Ausdauer her wäre definitiv noch einiges gegangen, aber der limitierende Faktor waren hier wirklich die Beine. Motiviert mich aber eigentlich nur noch mehr, künftig Bergtraining oder Treppenläufe ins Training zu integrieren und mich hier weiter zu verbessern. Potenzial ist auf jeden Fall noch eine Menge vorhanden.

Was ich auch noch üben muss, ist die Versorgung. Insgesamt habe ich in knapp 4 Stunden gerade mal 3 Gele genommen, dafür aber gefühlte 2 Liter Wasser/Elektrolyte getrunken und irgendwie war die Kombi nicht so optimal. Am Ende spürte ich ziemlich, dass mein Körper massiv im Energiedefizit war.
Der unangenehmste Zieleinlauf aller Zeiten
Auf den letzten drei Kilometern mussten noch mal 500 hm bis auf den Gipfel des Gornergrats (3.135 m) bewältigt werden, was körperlich ziemlich heftig war, aber durch die Aussicht wieder wettgemacht wurde. Naja, und dann hatte ich den wahrscheinlich unangenehmsten Zieleinlauf in der Geschichte des Gornergrat Marathons…

Schon von Weitem hörte ich den Moderator irgendwas erzählen von: „Gleich kommt sie – die schnellste Frau des Ultra-Marathons mit 15 Min. Vorsprung…“. Ja, und da ahnte ich schon Schlimmes… Max (mein Partner, der mich seit 14 km immer noch begleitete) und ich versuchten mit Gesten und Zurufen klarzumachen, dass ich KEINE Ultra-Läuferin – und schon gar nicht die schnellste des Jahres – war. Jedenfalls wurde ich schon groß angekündigt, der Moderator und die Zuschauer waren ganz aufgeregt, das Schärpen-Zieleinlaufband-Ding wurde aufgespannt und ich wäre am liebsten auf dem Absatz wieder umgedreht und lieber die 22 km wieder bergab gelaufen, als jetzt in dieses Ziel zu laufen… 5 Meter vor dem Ziel hat der Moderator es dann gecheckt, dass das irgendwie nicht zusammenpasst, und ich bin auch ganz brav an dem Band vorbeigelaufen. Maximal unangenehm war die Aktion trotzdem…
Lindt-Eis in Zermatt?!
Wir sind dann mit der Gornergratbahn wieder nach Zermatt gefahren, haben zwischendurch noch unseren Freund, der erfolgreich und mega stark den Marathon absolviert hat, und seine Freundin eingesammelt und sind dann erstmal ins Hotel gegangen. Der restliche Tag bestand daraus, das hoteleigene Spa, 3–4 Cocktails, gutes Essen und die gemeinsame Zeit zu genießen, bevor es dann am nächsten Morgen wieder in Richtung der 1000 km entfernten Heimat ging. Eigentlich wollten wir uns im Lindt-Store in Zermatt noch ein LINDT-EIS (?!) aus Lindt-Schokolade holen – ich mein, allein bei der Vorstellung dürfte allen das Wasser im Mund zusammenlaufen – aber der hatte nach dem Abendessen leider schon zu…
Btw, die Rückfahrt war für mich eine absolute Hölle – irgendwie habe ich das Shampoo des Hotels und das Essen nach dem Lauf nicht wirklich vertragen. Mein Gesicht und meine Augen waren am Morgen geschwollen und entzündet und mein Magen fühlte sich an, als würde er jeden Inhalt schnellstmöglich wieder loswerden wollen… Naja – egaaaaal. Meine Stimmung war leider angesichts der Umstände absolut im Keller und ich war heilfroh, als wir nach 10 Stunden Autofahrt wieder zu Hause waren.
Fazit

Insgesamt war es trotzdem ein mega schönes und vor allem super erlebnisreiches Wochenende! Vielleicht sollte bei der Wahl des nächsten Laufes nicht nur die Laufdistanz, sondern auch die Fahrtstrecke berücksichtigt werden, aber das nur am Rande… Ich weiß auf jeden Fall, dass hier bei mir noch viel Potenzial für Verbesserungen ist, aber für den ersten Trail-Lauf bin ich absolut zufrieden und das wird auch nicht mein letzter Lauf in den Bergen gewesen sein!
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